Dienstag, 15. Dezember 2015

Der CDU-Parteitag war ein bisschen wie Weihnachten

Es war ein bisschen wie Weihnachten beim Parteitag der CDU in Karlsruhe. Unterm Tannenbaum traf sich die zerstrittene Familie, um sich zu vergewissern, dass man immer noch zueinandergehört, auch wenn im zurückliegenden Jahr die Fetzen geflogen sind.

Und Angela Merkel war die gütige Matriarchin dieser herzerwärmenden Veranstaltung, die pünktlich zum Jahresausklang selbst die widerstrebenden Kinder in den Schoß der Familie zurückführte. "Mutti" Merkel hat ihre widerstrebenden Kinder unter dem grünen Tannenbaum sanft in den Schoß der Familie zurückgeführt.

Aber man muss sich nichts vormachen: Dieser Weihnachtsfrieden der Regierungspartei wird nicht lange währen. Im kurz vor knapp vorgelegten Vorstandspapier hat man nun statt einer Obergrenze für Flüchtlinge „eine spürbare Verringerung“ festgeschrieben. Dieser Formelkompromiss wirkt wie eine Art Druckverband für eine Partei, der vorübergehend zu einem neuen Selbstbewusstsein als Macherpartei verholfen wird.


Angela Merkel hat das geschickt gemacht. Sie hat nicht nur ihrer Basis das Gefühl gegeben, die Flüchtlingspolitik Schritt für Schritt in den Griff bekommen zu können. Sie hat sich auch als mächtige Europapolitikerin präsentiert, die den störrischen Nachbarn zeitnah zeigen wird, dass sie mit ihrer Blockadehaltung nicht weiterkommen.

Als Höhepunkt der Veranstaltung bewchwört die Partei doch tatsächlich christlichen Wurzeln. Doch das Wichtigste war ihr Einschwören der Zuhörerschaft auf ihre eigenen christdemokratischen Wurzeln: auf das C im Parteinamen. Verbunden mit dem wohl bleibenden Satz, es gehe aktuell um nichts weniger als „das schönste und das beste Deutschland, das wir haben“ - erhebliche Wahrnehmiungsstörungen inbegriffen..

Dieser ganze Parteitag war eine einzige Suppe der Harmonie, in der die Probleme ertränkt und mit der Merkel die Füße gewaschen wurde. Das Ganze hat sehr an die ähnlich nutzlosen Veranstaltungen der SED erinnert.

Weblink:

Die gütige Matriarchin - www.taz.de

Kommentare:

  1. Angela Merkel weiß, wie man schwierige Parteitage überlebt. Mehr als eine Stunde referierte sie gestern über ihre Flüchtlingspolitik, versprach, die Zahl der Neuankömmlinge zu reduzieren, und erhielt zum Dank neun Minuten Standing Ovations. In der CDU gilt seit jeher eine ausgeprägte Willkommenskultur, zumindest gegenüber der eigenen Obrigkeit.

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  2. Kein offener Protest, keine Unruhe: Für den Moment hat CDU-Chefin Merkel ihre zerrissene Partei mit klarer Haltung geeint.

    Doch in der Partei gibt es in der Flüchtlingspolitik zu viele unterschiedliche Positionen, als dass dieser Frieden von Dauer seien könne.

    Geheuchelte Harmonie?

    Was stimmt hier nicht? War die Aufregung der vergangenen Monate nicht echt?

    der ist die Harmonie dieses Parteitages geheuchelt? Tatsächlich stimmt beides.

    Nach der ersten Panik erkennt die CDU nun, dass die Unterbringung von Flüchtlingen viel Organisationskraft braucht, dieses Land aber nicht überfordert.

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  3. Dieser ganze Parteitag war eine einzige Suppe der Harmonie, in der die Probleme ertränkt und mit der Merkel die Füße gewaschen wurde.

    Das Ganze hat sehr an die ähnlich nutzlosen Veranstaltungen der SED erinnert.

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  4. Merkel als Generalsekretär des Zentralkomitees (ZK) der CDU

    hat ihre Einheitspartei auch wieder gut gefallen.

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