Samstag, 16. Mai 2015

Was passiert, wenn Griechenland pleite geht?

Nach einer möglichen bevorstehenden Staatspleite wird Griechenland den Schuldendienst einstellen, jedoch werden die Gläubiger wohl nicht auf ihre Forderungen verzichten.

Griechenland wird aus dem Euro ausscheiden und die alte Währung, die Drachme, wieder einführen. Sodann bekommt die griechische Notenbank eine neue entscheidende Aufgabe: die monetäre Staatsfinanzierung des Landes und die Stützung der neu eingeführten Währung.

Die griechische Notenbank wird so viele neue Drachmen drucken und dem griechischen Staat mit diesem gedruckten Geld die neuen Staatsanleihen abkaufen. Mit diesem Geld kann die griechische Regierung alle versprochenen Sozialprogramme finanzieren.

Dadurch werden die derzeitigen Löhne und Pensionen abgewertet, wodurch sich die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands verbessert. In der Folge werden die Gewerkschaften hohe Lohnabschlüsse erzwingen, und es wird sich eine jährliche Inflation von 15 bis 25 % ergeben.

Die eingeführten Importprodukte werden für Griechenland teurer werden, besonders trifft das die Erdölprodukte, Medikamente und Lebensmittel. Es wird im Zuge dessen zu einer erhöhten Eigenerzeugung kommen.

Möglicherweise werden die griechischen Banken pleite gehen. Das sind dann Übernahmekandidaten für Investoren aus Asien oder Amerika bzw. Russland. Diese Banken sind um billiges Geld zu haben, allerdings ist das Investment nicht sicher vor der Verstaatlichung.

Der Bankenrun ist jetzt schon der Fall, weil viele Griechen alles verfügbare Geld beim Bankomat abheben. Das ist aber begrenzt auf das Guthaben. Dieses Geld haben sie unter dem Kopfpolster oder sie haben es nach Bulgarien gebracht.

Die Gläubigerstaaten werden ihren Steuerzahlern erklären müssen, dass sie soeben 240 Mrd. Euro verloren haben. Aber das ist jetzt schon der Fall, weil Staatsanleihen niemals zurückgezahlt werden - es wird immer nur umgeschuldet.

Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass die Gläubiger griechisches Eigentum im Ausland pfänden, die staatlichen Gläubiger werden das aber nicht tun - wohl aber die internationalen Hedgefonds.

Weblink:

Die Krise in Griechenland: Ursprünge, Verlauf, Folgen
Die Krise in Griechenland: Ursprünge, Verlauf, Folgen

von Ulf-Dieter Klemm und Wolfgang Schultheiß

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen